Home is where the Dom is – Aber könnt ihr euch bitte mal entspannen

Heute vor 3 Monaten habe ich meine Füße wieder auf deutschen Boden gesetzt. Wer schonmal länger im Ausland war, weiß, wie komisch sich das anfühlt. Und Wochen vorher fragt man sich, wie das wohl sein wird und ob man in der ‚alten Welt‘ noch klarkommt. Beflügelt von der kanadischen Freundlichkeit erwischt einen dann die deutsche ‚Willkommenskultur‘ und knallt dir gleich mal die Tür vor der Nase zu. Im wahrsten Sinne.

Nach ’ner Weile wird das Alte wieder vertraut, über die kürzesten Wege innerhalb der Stadt muss man nicht mehr nachdenken und die Fähigkeit, in einer anderen Sprache zu denken, kommt abhanden. Den ersten großen Kulturschock versuchte ich mit kulinarischen Leckerbissen zu versüßen. Klar, bei Mama gab’s erstmal das klassische Verwöhnprogramm (nicht dass ich noch vom Fleisch falle), und auch in Köln suchte ich wieder meine Stammlokale auf. Das Habibi auf der Zülpi, my Thai auf der Berrenrather oder die Zikade in der Südstadt. Gesund, günstig, lecker: das habe ich in Kanada vermisst.

Ob ich meine Auszeit bereut habe? Leute, wer mir so ne Frage stellt hat wohl meinen Blog nicht gelesen…

Die Zeit seit meiner Ankunft ging natürlich rum wie nix. Zum Eingrooven ging’s zum Schlamm-Surfen zu Rock am Ring, dann zum Hochwasser wegschippen in die Eifel, wo ich auch meiner Godi erstmal Hallo gesagt habe. Und kaum war der Dreck aus der letzten Ecke gekehrt, wurde auch schon die Flagge gehisst und zur Fußball-EM angestoßen. Flagge zeigen geht ja in Deutschland auch nur bei irgendwelchen Events, wegen unserer schwierigen Vergangenheit. Weil Flagge zeigen ist sonst nationalistisch und wenn nicht das, auf jeden Fall nicht korrekt. Auch da hilft eine Auszeit im Ausland, das entspannt die Sache ungemein. Dann lasst die Leute halt ihre Flaggen, Fähnchen, Socken, Trikots oder was auch immer anziehen, von mir aus das ganze Jahr. So lange niemand schiefes Gedankengut mit sich herum trägt und aufgrund dessen das DFB-Trikot anzieht, ist doch alles in Ordnung.

Man gewöhnt sich wieder an das alte, neue Leben. Zwischendurch fragt man sich, ob man überhaupt weg war, so normal fühlt sich alles wieder an. Dennoch verändert einen so ’ne Auszeit. Die Tiefenentspanntheit, mit der ich noch anfangs unterwegs war, ist  zwischenzeitlich schon deutlich weniger geworden. Köln stresst. Kölns Straßen stressen. Kölns Menschen auch. Und ich merke, wie mich dieser Stress schon wieder plättet. Wie eine große Walze, die einen überrollt. Ob Europas Städte zu klein sind für so viele Menschen?

Mehr Grün, mehr Ruhe, mehr Raum, mehr Kunst – und weniger Scherben.

Köln, entspann dich. Und geh achtsam mit deinen Menschen um. Lass den Radfahrenden ihren Radweg und park ihn nicht zu. Halte deinen Mitmenschen die Tür auf, wenn sie hinter dir sind. Leg ein Klötzchen hinter deinen Einkauf, wenn du alle Artikel aufs Band gelegt hast. Lass andere vor, auch wenn du sie nicht kennst. Und nimm deinen Müll wieder mit, und lass ihn nicht irgendwo liegen. Es sind die Kleinigkeiten, die das Leben angenehmer machen. Seitdem ich wieder zurück bin, schenke ich auch hierzulande dem/der BusfahrerIn ein Danke, wenn ich aussteige. Auch wenn die mich dann meist ungläubig angucken.

Ich wurde oft gefragt, was denn mein nächstes Projekt sei. Ganz ehrlich, nach so viel unterwegs sein, erstmal wieder ankommen, runterkommen, zurecht finden und auf sich wirken lassen. Oder Urlaub nehmen. Am Freitag geht’s erstmal für ’ne Woche nach England.

Du hast schon wieder Urlaub!

Yes, believe it or not. Von insgesamt 15 Tagen in diesem Jahr. KanadierInnen haben meist nur 14, fürs ganze Jahr, das ist nicht viel.

Was ich mitgenommen habe aus dem Jahr? Einiges, wie immer. Es war ja nicht meine erste längere Zeit im Ausland. Die Erfahrung, die man macht, kann einem niemand mehr nehmen. Reisen verändert, bildet, entspannt. Ist also zu empfehlen.

Das ist mein vorerst letzter Blogeintrag. Ob ich weiter schreibe, weiß ich noch nicht. Wird sich zeigen, ich mach mir da mal keinen Stress. Und sowieso: Braucht die Welt ’nen weiteren Blog?! Entschleunigung find‘ ich gerade mega gut! Und mehr so ‚real‘, you know.

Macht’s gut meine Lieben, immer schön sauber bleiben!

xox

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