Hektik in Toronto & atemberaubende Fälle in Niagara

Mit dem Zug braucht man von Ottawa nach Toronto gut 4 Stunden. Kaum in der Union Station angekommen war ich schon komplett verloren. Die ganze Station ist eine riesige Baustelle mit provisorisch angebrachten Schildern. Ich musste das Subway-Schild erstmal länger auf mich wirken lassen um zu verstehen, dass es sich bei TTC Subway nicht um eine Hockey- oder Baseball-Mannschaft handelt. Das Logo hat mich wirklich irritiert. Ob der Entwerfende vielleicht vorher im Sportmarketing tätig war?! Man könnte es meinen.

Irgendwie hab ich mich durch den Großstadt-Dschungel geschlagen, ganz ohne Machete. Nach einem kleinen Intermezzo mit meinem helpX-Host, wir haben uns einfach Null verstanden, bin ich gleich umgezogen in „Nordamerikas bestes Hostel“: Canadiana Backpackers Inn*, gelegen inmitten von Downtowns Häuserschluchten. Wie dieses Backpackers zu dieser Auszeichnung gekommen ist, ist mir unerklärlich. Trockene Pancakes, Bagels vom Vortag und ewig und drei Tage besetzte Washrooms. Ich bin jeden Morgen durch die Hütte gestiefelt auf der Suche nach einem freien Bad. Da es ein sehr altes Gebäude ist muss man Treppen laufen. Mein Zimmer lag unterm Dach, also schonmal eine Treppe runter um ins Bad zu kommen. Besetzt. Nochmal eine Treppe runter und eine andere Treppe hoch, um zu den anderen Bädern zu kommen. Treppe runter in den Keller zur Küche. Zimmer und Bäder mega eng mit schimmeligen Duschvorhängen. Wenn das wirklich das beste ist, was Nordamerika zu bieten hat, dann setze ich mich gleich in den Flieger nach Hause.

Soweit kam es dann doch nicht. Die ersten Tage habe ich die Stadt erkundet, was man halt so macht. Waterfront, Chinatown, Downtown.

Auch wenn man sicherlich total viel unternehmen kann in Toronto, mein Herz hat diese Stadt nicht erwärmt. Leider nein, leider gar nicht.

Ich konnte mich nicht des Eindrucks erwehren, dass hier zeitweise (oder vielleicht immer noch) sehr viel dem Wachstum geopfert wird. Anders kann ich mir diese furchtbare Stadtautobahn auf Stelzen, die die Waterfront und die Innenstadt teilt, einfach nicht erklären. Zudem kam ich mir winzig klein vor zwischen diesen Bürotürmen, ich wurde ständig vom Winde verweht und habe vergeblich nach einem kleinen süßen Café gesucht, um mich etwas aufzuwärmen. Außer Tim Horton’s und Starbucks war da nichts zu holen.

Um Toronto jetzt nicht total runterzumachen … es gab ein Highlight, und zwar ein ziemlich geiles. Die Natur ist halt einfach unschlagbar. Mein Ausflug zu den Niagarafällen war sensationell! Auch wenn die Fälle „natürlich“ seit Jahrzehnten touristisch komplett ausgeschlachtet werden, sie sind immer noch sehr beeindruckend.

Nein, ich habe keine Bötchentour gemacht. Das wollte ich nie und werde es auch nie wollen. Viel zu touristisch. Ich bin den Falls-Trail entlang spaziert und hab mir ein entspanntes Lunch mit Blick auf die Fälle gegönnt. Herrlich!

Übrigens, sobald die Touristenströme im November abebben wird die Wassermenge stark zurückgefahren. Man nutzt den Fluss zur Stromgewinnung. Und seitdem „wachsen“ die Fälle auch nicht mehr um einige Meter pro Jahr sondern nur noch um ein paar Zentimeter.

Bis zu 17 Mio. BesucherInnen jährlich

Neben der Bötchentour im schicken Regen-Cape kann man auch mit dem Heli über die Fälle fliegen. Wat soll der Geiz, zieh durch die Karte.

Mit dem Flieger, es ist sonst einfach zu weit, ging es gestern von Toronto via Winnipeg nach Calgary. Mit dem Auto wäre man für diese gut 3.400 km 3 Tage unterwegs. Nur mal zum Vergleich, von Warschau bis Lissabon sind es ca. 3.300 km.

Morgen geht’s weiter nach Banff auf der Suche nach Jobs und Unterkunft für die Wintermonate. I’ll keep you posted!

*Neue Info im Januar 2016: Das Canadiana soll für 15 Mio. CAD verkauft worden sein und wird wohl bald abgerissen; an gleicher Stelle sollen weitere Wolkenkratzer hochgezogen werden.

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2 Kommentare

  1. ja ja, Toronto ist schon arg wirtschaftlich – kein Hauch von schnuckelig… Gut, dass du sofort nach Banff weiter gereist bist– damit biste weiter, als ich je in den Westen gekommen bin und in einer der pittoreskesken (wat’n Wort) Landschaften CAs! Drück Dir die Daumen für ’nen feinen Job und folge Dir weiter heimlich auf leisen Sohlen bei Deinem Blog, liebe Tanja 😉
    good luck, mate

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