#MTL – Merci beaucoup / Thank you very much – Adieu / Goodbye

Nach gut 3 Monaten in Montreal ist es wieder Zeit weiterzuziehen. Aber natürlich nicht bevor ich Danke gesagt habe.

Die vielen netten Menschen, die ich kennenlernen durfte, waren mehr als einmal der Grund, meinen Blog zu vernachlässigen. Ich hatte einen tollen Sommer in Montreal. Neben kostenlos-und-draußen-Events, leckerem Essen und dem ein oder anderen Bierchen, schönen Ausflügen mit dem Bixi, Besuche beim Mundo Lingo (weitere Infos auf MundoLingo.org), diversen Besteigungen des Mont Royal „durfte“ ich auch oft arbeiten. Ich denke, dass ich mit der Entscheidung, den Sommer in Montreal zu verbringen, ziemlich gut gelegen hab.

Every morning the game tester knows: He/She needs to run better then his/her device.

Von den 3 Monaten habe ich gute 2 1/2 Monate als Game Testerin in den VMC Game Labs gearbeitet. Anfangs war das alles super interessant und neu, ich musste mich reinfuchsen in die englische Sprache, neue Begriffe lernen. Ich habe auch gelernt, wie man ein „debug“ benutzt. Ein Debug ist ein Werkzeug, mit dem man im Game tricksen kann. Z. B. indem man unendlich viel Gold, Münzen, Schlüssel etc. kaufen, Level überspringen kann. Nicht nur in komplexen Games nützlich und zeitsparend. Wir mussten die Software selbst auf die Geräte aufspielen und zum Laufen bringen. Wir haben auf allen erdenklichen Geräten getestet, auf mobilen Geräten aller namhaften Hersteller, auf alle möglichen Tablets oder Readern und natürlich Konsolen. Daneben gehörten das Verknüpfen von Laufwerken und VPN-Verbindungen zum Alltag. Außerdem das Schreiben von sog. Bug Reports in englischer Sprache.

Neben Localization habe ich hin und wieder auch Functionality Testing gemacht. Das war recht easy, macht muss dabei eigentlich das Spiel „nur“ spielen und währenddessen alle Funktionen, Menüs, Knöpfe ausprobieren oder irrationale Handlungen durchführen, wie z. B. wie wild auf dem Screen hin- und herwischen oder unglaublich schnell Funktionen kreuz und quer ausprobieren.

Zum Ende hin war ich jedoch froh, den Job an den Nagel zu hängen. Dieses ständige Hängen über oder vor Bildschirmen mit genauem Fokus auf den text strings in den Spielen, das ist anstrengend und alles andere als gut für die Augen! (mehr dazu bei DLF Umwelt & Verbraucher > dlf.de/umwelt) Zudem finde ich das Beschäftigungsmodell „on call“ viel mehr Arbeitgeber- als Arbeitnehmer-freundlich. Man hat keine garantierten Stunden, muss sich jedoch 40 Stunden in der Woche bereit halten, man bekommt nur von Tag zu Tag Bescheid, ob man arbeitet; nur selten wusste man, dass das Projekt z. B. eine ganze Woche dauert. Habe insgesamt in 17 verschiedenen Projekten spr. Games gearbeitet, auch das ist anstrengend, da jeder Auftrag andere Anforderungen stellt, andere Datenbanken bedient, zudem muss man sich jedes Mal aufs neue in das Spiel einarbeiten. Und am Ende zählt auch die Kohle, von 12 Dollar/Std. wird man nicht reich.

Mal abgesehen von meiner Arbeitskraft in der Gaming Industrie: Ich hatte mich bis dato nie so wirklich mit Video- oder Konsolenspielen beschäftigt. Meine letzte „Gaming-Erfahrung“ war Tetris am Gameboy oder Roller Coaster Tycon auf dem PC. Lästige Spieleanfragen bei Fb habe ich stets abgelehnt. Es ist schon Wahnsinn, wie viele Menschen mit digitalen Spielen Geld verdienen und wie groß der Markt mittlerweile ist. Und weiter wächst. Mal abgesehen von den großen Playern, die die Spiele rausbringen, sind es EntwicklerInnen und ProgrammierInnen, die vermutlich die meiste Kohle scheffeln. Ganz am Ende der Nahrungskette stehen die TesterInnen.

Beim Herausbringen der Spiele ist das Ende der Wertschöpfungskette noch lange nicht erreicht. Fast alle Spiele beinhalten sog. „In-App-Käufe“ und sind ganz einfach mit Facebook zu verknüpfen, so dass man Freunde einladen und seine Spielergebnisse und neueste High Scores gleich teilen kann.

In-App-Käufe waren meines Wissens erst nur für Erwachsenen-Spiele zu haben. Mittlerweile sind sie aber auch bei den Games für Kinder und Jugendliche angekommen. Und das ist dann der Punkt, wo ich ein Problem damit bekomme. Nicht nur die Erwachsenen werden geschickt in „spielerische Abhängigkeiten“ geführt, sondern auch Kinder. Ok, man kann sog. Kindersicherungen einbauen, aber mich stört bereits der Ursprungsgedanke. Viele Spiele sind so aufgebaut, dass gewisse Level überhaupt nicht mehr zu gewinnen sind, ohne Spezial-Effekte oder -Equipment, das man wiederum vorher kaufen muss. Für echtes Geld. Komplexe Spiele sind zudem darauf ausgelegt, dass man sie über Wochen und Monate spielen kann. Ein Wahnsinn, was da abgeht. Man muss also nicht mehr ins Kasino oder in die Spielhalle gehen, um spielsüchtig zu werden und sozial zu verarmen. Es reicht ein Smartphone, iPod oder Tablet.

Beim letzten Spiel, das ich getestet habe, hatte ich zudem dein Eindruck, dass eine Software das Spiel vorher übersetzt hat. Wir hatten in allen Sprachen die gleichen Fehler, das gab es bislang noch nie.

An dieser Stelle schenke ich mir den Part, mich über die Geschlechterrollen in den Spielen oder über die Darstellung von weiblichen oder männlichen Figuren auszulassen, sonst werde ich hier gar nicht mehr fertig. Es ist nur so, dass ich von den Spiele-Anbietern niemals ein Spiel kaufen werde! Never ever! Like ever ever!

Dennoch, ich habe Montreal gemocht. Auch wenn es sprachlich ab und zu ein paar Schwierigkeiten gab. Die Stadt hat viel zu bieten, ich hatte eine tolle Zeit und werde bestimmt einige dieser netten Menschen wiedersehen.

Vielleicht einige vom deutschen Stammtisch (Christian hat in Köln quasi neben mir gewohnt). Vielleicht die Jungs von St. Henri Bagel Café. Vielleicht ein paar Ex-KollegInnen, von denen einige wieder zurück nach Europa gehen. Vielleicht Kyle, mit dem ich in Australien viele Wochen im gleichen Hostel gewohnt habe und in Montreal wiedergetroffen hab. Who knows.

Merci Beaucoup! / Thank you very much! 
Ce fut un réel plaisir pour moi. / It was a great pleasure for me.
Audieu! / Goodbye!

Falls ihr weitere Fotos aus Montreal sehen wollt, geht einfach auf meine vorangegangenen WordPress-Beiträge, die ich euch intern verlinke: Streetart-Spezial oder Urban Streetart usw.

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