Was kommt euch in den Sinn, wenn ihr an Japan denkt? Was ist eure erste Assoziation? Sushi? Samurai? Fukushima?
Als ich 2003 vom japanisch-deutschen Austauschprogramm für junge Berufstätige hörte war die Katastrophe in Fukushima (und die Corona-Pandemie) noch weit weg. (Es gab jedoch schon einen Vorläufer, nämlich die SARS-Epidemie – später mehr dazu, warum ich das erwähne.) Meine Assoziationen Japan betreffend waren mehr als wage. Im beschaulichen Trier, wo ich damals lebte, war Sushi zu dieser Zeit noch etwas Exotisches, im Rewe suchte man vergeblich nach Algensalat und nur Weltbürger konnten elegant mit Stäbchen essen.
Es war auch die Zeit, als man Fotos noch auf Film knipste. Nach der 3-wöchigen Reise hatte ich ca. 7 Filme voll und zur Entwicklung geben können. Eine kleine Auswahl habe ich hier hochgeladen. Die besseren Aufnahmen stammen von meinem Mitreisenden Armin aus Duisburg. Vielen Dank noch mal an dieser Stelle.

Als ich von meiner allerersten Fernreise zurückkehrte wusste ich auf jeden Fall nicht, wo ich mit meinem Reisebericht als erstes anfangen sollte, die Eindrücke waren so zahlreich und überwältigend, dass ich mit der Verarbeitung selbst Wochen später noch beschäftigt war.
Aber erstmal der Reihe nach: An dem jährlich stattfindenden Austauschprogramm konnten damals alle teilnehmen, die zwischen 18 und 30 Jahre alt waren, in Deutschland lebten, berufstätig waren und sich für die japanische Kultur als auch für den Austausch zwischen der deutschen und japanischen Kultur interessierten. Verantwortet wurde die Reise vom Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin, finanziell unterstützt von der japanischen als auch der deutschen Regierung. Uns an die Seite gestellt wurden für die 3-wöchige Reise auch Dolmetscherinnen, eine Delegationsleitung, die uns durch das Besuchsprogramm hindurch begleiteten und betreuten – und uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite standen. Neben der eigenen, anteiligen Kostenübernahme gilt die Regelung, dass man Gastgeschenke „Made in Germany“ mitbringt (Gamechanger!) und natürlich über ein eigenes Taschengeld für die Reise verfügt. (Wenn ihr euch ausführlich über das Programm informieren möchtet klickt bitte hier.)
Wir flogen auch nicht ganz unvorbereitet, der Reise war ein Vorbereitungs-Wochenende in Berlin vorausgegangen, wo wir japanische Tisch-Manieren verinnerlichten (Nase putzen am Esstisch geht gar nicht!), lernten, uns höflich und mit entsprechender Verbeugung zu begrüßen und mit Stäbchen zu essen, wir probierten japanisches Essen und bekamen unsere ersten japanischen Wörter beigebracht. Es war auch der Zeitpunkt, wo unsere spätere Reisegruppe das erste Mal aufeinander traf. Eine bunte Mischung aus jungen Leuten, die Lust hatten, ihren Horizont zu erweitern. Aus ganz verschiedenen Berufen. Mit ganz unterschiedlichen Beweggründen, warum man sich ausgerechnet für dieses Programm beworben hatte. Hausaufgabe bis zur Reise: Sich auf japanisch vorstellen können, also sagen wie man heißt, wo man wohnt, wie alt man ist, dass man sich freut. (Was auch sonst :-))

Und warum jetzt die Erwähnung von SARS? Ganz einfach. 2002 und 2003 sorgte SARS dafür, dass nicht mehr so viele Menschen nach Asien reisen wollten, entsprechend stark ging auch die Zahl der Bewerbungen für das Austauschprogramm zurück. Heißt: Es kamen viele Zufälle und etwas Glück zusammen, dass ich überhaupt für dieses Programm gelost wurde.
Auch wenn die Reise schon so lange zurück liegt, fast genau 20 Jahre, habe ich noch viele Erinnerungen präsent und am eindrücklichsten waren so alltägliche Erlebnisse. Wie zum Beispiel die unglaublich lauten Spielhöllen, die sog. Pachinko Bars, wo die Leute (vermutlich viele von ihnen spielsüchtig) nicht fotografiert werden wollten. Es gibt allein in Tokio 700 davon. Dann die unzähligen Getränke-Automaten, die sogar warme Getränke bereit halten! (Ein warmer Kakao in der kalten Jahreszeit, wie cool ist das denn! Und ja, Energieverbrauch geschenkt..) Aber auch die Tierhandlungen mit ihren fragwürdigen Haltungsbedingungen (Tierschutz ist in Asien eh so ne Sache).
Es gibt aber noch vieles mehr: Zum Beispiel meinen schweren Jetlag nach der Landung in Tokio und den Rundgang kurz danach durch Odaiba, an dem ich tatsächlich nur körperlich teilnahm weil mein Kopf noch im Flieger saß. Zeit zum Verschnaufen blieb jedoch nicht so viel, denn kurz darauf ging das Programm auch schon los und war eng getaktet. Die jeweiligen Berufsgruppen hatten eigene Termine, z.B. beim Kabelfernsehen, beim Roten Kreuz, in einer Recyclingfirma. Es gab aber auch Verabredungen für die ganze Gruppe, z.B. beim Bürgermeister von Tokio. Wir haben eine Schulaufführung besucht, durften an einer Tee-Zeremonie teilnehmen und uns traditionelles Bogenschießen anschauen.
Der Shinkansen brachte uns sicher und schnell durch Japan. Nach Tokio besuchten wir auch die Präfektur Aomori ganz im Norden und verbrachten dort sogar ein „Homestay“ Wochenende bei einer japanischen Familie dort. Das war super interessant, mit eigenem Mini-Onsen (danach schläft man wie ein Baby!), hervorragender japanischer Küche und einer ganz wunderbaren japanischen Familie! Mit ihr waren wir auch einen Tag bei einem Mönch.
Im Anschluss besuchten wir u.a. die Kaiserstadt Osaka (und dort den deutschen Weihnachtsmarkt, kein Witz) sowie auch Hiroshima, wo wir auf eine Zeitzeugin trafen, die damals den Abwurf der Atombombe überlebte und diesen Tag und ihre Erlebnisse schilderte. Auch wenn ihre Erzählungen erst ins Deutsche übersetzt wurden, war dieses Treffen sehr bewegend. So wie auch der ganze Besuch der Stadt Hiroshima für alle ein bewegender und bedrückender Moment war. An dem Tag war die Stimmung eine ganz andere und nicht so gelöst wie sonst. Was für mich damals neu war: Den zweiten Weltkrieg aus der Opfersicht zu sehen, nicht aus Tätersicht. Auch wenn Japan sich mit der Aufarbeitung dieses und anderer Kriege bis heute, ich sage mal, etwas schwer tut.
Auch wenn es nicht das prägendste Erlebnis war, ist es mir dennoch eine Situation besonders hängen geblieben: Wir sind natürlich regelmäßig auch mit der Tokioter U-Bahn gefahren. Einmal hatte ich mich etwas von der Gruppe abgesetzt und saß alleine in einem Abteil, um mich herum nur Einheimische, bis auf mich. Ich war auf einmal die einzig westlich aussehende Person unter vielen anderen. Seitdem ich für mich noch mal mehr klar: Die Sicht auf die Welt ist auch immer eine Frage der Perspektive.
Frohes Neues! Kampai!

























Buche deine nächste Japan-Reise bei Albrecht und Kojima
Tipp aus der ARD Mediathek: „Kommt auf die Bucket List – Japan“ – hr Doku aus 2023

